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| Infos zum Artikel | | Autor: | Gustav Schatzmayr | | Datum: | 15.10.2007 | | Views: | 694 |  |
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Ein Spaziergang durch den Wiener Zentralfriedhof
Mit dem Herannahen von Allerheiligen und Allerseelen, den traditionellen Totengedenktagen der westlichen Welt, verstärkt sich auch die Befassung mit der Vergänglichkeit des irdischen Seins. Das 55 plus Magazin besuchte dazu Europas schönsten Friedhofpark, den Wiener Zentralfriedhof.
Als diese kulturgeschichtlich herausragende Totenstadt am bitter kalten 1. November 1874 offiziell eröffnet wurde erschauderten die Wiener. Wenn schon tot, so dachte die Volksseele, so sollte man wenigsten im städtischen Umfeld seines irdischen Schaffens seine letzte Ruhe finden, und nicht in einer trostlosen Einöde, irgendwo am Ende der Zivilisation. Diese Gedanken, die heute ein wenig unverständlich wirken mögen, waren damals jedoch mehr als begründet. Aus der Sicht der Wiener in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der neue Central-Friedhof geografisch sehr fern. Weit mehr als eine Stunde brauchte es auf einem äußerst beschwerlichen Weg, um von der geliebten Wiener Stadt nach Simmering-Kaiserebersdorf zu gelangen.
Die Entscheidung der Wiener Stadtregierung zur Errichtung dieses gigantischen Friedhofkomplexes beruhte auf der damals real einsetzenden Bevölkerungsexplosion und der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung, welche die Kapazitäten der innerstädtischen Friedhöfe bei weitem gesprengt hätten. Um die Ablehnung der Wiener gegen diese letzte Ruhestätte zu überwinden, wurden die sterblichen Überreste berühmter Persönlichkeiten von den innerstädtischen auf den neuen Zentralfriedhof überführt und in prunkvollen Ehrengräbern beigesetzt. Begräbnisse Prominenter wurden hinkünftig regelrecht inszeniert und erfuhren einen zunehmenden Volksfestcharakter. Spätestens mit der Fertigstellung der fantastischen, im Jugendstil errichteten Friedhofskirche Zum Heiligen Karl Borromäus im Jahre 1910 war der Wiener Zentralfriedhof bei der Bevölkerung voll akzeptiert.
Die 50 plus Tour auf den Zentralfriedhof beginnt mit der Fahrt in der legendären Straßenbahnlinie 71, die direkt vom Wiener Stadtzentrum in diese Stadt der Toten führt. Noch heute wird diese Straßenbahnverbindung von der Wiener Bevölkerung mit einem bittersüßen Kürzel genannt. Der „71er“, war es, in dem man seinen letzten Weg angetreten ist. Und gleichwohl man seinen letzten Weg schon lange mit anderen Transportmitteln befährt, ist dieser Straßenbahn ihr Kosename erhalten geblieben.
Die Ausmaße des Friedhofsareals sind ebenso gewaltig, wie das Hauptportal, durch das man den Friedhof betritt, imposant ist. Nahezu 2,5 Millionen Quadratmeter misst der Friedhofspark. In rund 250.000 Gräbern ruhen die Überreste von nahezu 3 Millionen Menschen aller Glaubensrichtungen. Pure Natur und prachtvolle Architektur verschmelzen am Wiener Zentralfriedhof zu einer Symbiose, deren Ausstrahlung einzigartig ist. Dieses monumentale Zeichen menschlicher Schaffenskraft, deren Wirkung über das Ende des Seins hinauszugehen scheint, versetzt die 50 plus Besucher ebenso in Staunen, wie die immanent wahrnehmbaren Kraftquellen, die zur Besinnung und Meditation aufrufen.
Der Wiener Zentralfriedhof ist eine außergewöhnliche Auseinandersetzung mit Leben und Tot und nicht nur zu Allerheiligen und für die Generation 55 plus einen Besuch wert.
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